Misereor

 

Referenzrahmen für die Durchführung einer Studie zu:

Potentialen und Grenzen kleinbäuerlicher Marktorientierung vor dem Hintergrund einer ganzheitlichen Betrachtung der jeweiligen Lebenshaltungssysteme (livelihood systems) und unter besonderer Berücksichtigung einer armutsmindernden Wirkung auf marginalisierte ländliche Bevölkerungsgruppen in Kamerun und ggf. DR-Kongo.

1. Einleitung und Hintergrund
In den letzten 15 Jahren haben viele ländliche Entwicklungsprojekte, auch in Afrika, einen verbesserten Marktzugang für Kleinbäuerinnen und -bauern verfolgt. Ein verbesserter Marktzugang für diese Zielgruppe – so die Interventionslogik der Projekte – soll zu einer Professionalisierung, zusätzlichen Einkommensmöglichkeiten und damit letztlich zu einer Verbesserung der kleinbäuerlichen Lebensbedingungen beitragen. Waren solche Projekte in der ersten Zeit noch stark auf die Produktion dezidierter cash crops für den Exportmarkt ausgerichtet, so sind seit dem weltweit drastischen Preisanstieg von Grundnahrungsmitteln 2007/2008 auch immer mehr lokale und regionale Märkte im Fokus. Im Allgemeinen wird in diesen Projekten vor allem ein ökonomischer Ansatz verfolgt, um Marktpotentiale und Dynamiken zu analysieren und daraus Interventionshebel abzuleiten. Hingegen werden die soziale und die ökologische Dimension in der Regel kaum bis gar nicht berücksichtigt, sodass wichtige Aspekte humaner Entwicklungspotentiale und -kenntnisse innerhalb des örtlichen Umwelt- und Institutionenkontextes der Zielgruppe unbeachtet bleiben.
Obgleich diese marktorientierten Projekte um eine Armutsorientierung bemüht sind, werden in den Interventionen oftmals vornehmlich die besser ausgestatteten kleinbäuerlichen Betriebe berücksichtigt. So ist der Beitrag dieser Projekte zur Armutsbekämpfung bei marginalisierten Bevölkerungsgruppen umstritten und Studien belegen, dass sie teilweise sogar eine bereits stark ausgeprägte sozioökonomische Ungleichheit weiterhin steigern und einen Verlust des Zugangs zu natürlichen Ressourcen für arme Bevölkerungsgruppen fördern. An diesem Punkt setzt das hier vorgelegte Vorhaben an. Indem alle drei Dimensionen einer nachhaltigen Entwicklung (sozial, ökologisch, ökonomisch) der Zielgruppe Berücksichtigung finden, trägt das Vorhaben zu einer ganzheitlichen Betrachtung und Debatte über die Potentiale, aber auch Grenzen kleinbäuerlicher und armutssensitiver Marktorientierung bei und arbeitet Empfehlungen für zukünftige Projekte heraus.


2. Ziele und Unterteilung der Studie
Ziel dieses Einsatzes ist eine dreiteilige Studie, die zur wissenschaftlichen Herausarbeitung von Erfolgsfaktoren für die Anwendung von ganzheitlichen und armutsmindernden Ansätzen kleinbäuerlicher Marktorientierung beiträgt. Aufgrund des Umfangs der Studie sind drei aufeinander aufbauende und hintereinander abfolgende Einsätze vorgesehen. Die Studie soll u.a. einen empirischen Teil bei Projektpartnern MISEREORs/der KZE in Kamerun (1 Projekt) und in der Demokratischen Republik Kongo (1 Projekt) beinhalten. Die Unterteilung der Studie in die drei aufeinander folgenden Einsätze ist wie folgt vorgesehen:

Teil 1 ( Deskphase):
Die Deskphase dient der umfassenden Konzeption der Studie und im Detail der Vorbereitung des empirischen Studienteils in Kamerun und der Demokratischen Republik Kongo. Das methodische Vorgehen zur Auswertung der Dokumente und zu anderen Formen der Datenerhebung und -auswertung wird vom Gutachterteam beschrieben und in einem Auftaktworkshop mit MISEREOR diskutiert. Methodischer Hauptbestandteil der Deskphase ist die eigenständige Literaturrecherche und Auswertung zu ähnlichen wissenschaftlichen Fragestellungen, das Dokumentenstudium bzgl. der für die Feldphase ausgewählten Projekte sowie die Planung der Feldphase inkl. Forschungsdesign, Arbeitsplan und der Erstellung eines Entwurfs von Interviewleitfäden. Dokumente zu den ausgewählten Partnerprojekten werden zur Verfügung gestellt; Literaturrecherche sollte eigenständig erfolgen. Am Ende der Deskphase stehen die Vorstellung und Diskussion der Ergebnisse zwischen dem Gutachterteam und Vertreter(inne)n MISEREORs.

Teil 2 (Feldphase):
Basierend auf den Erkenntnissen aus der Deskphase soll je ein empirischer Teil in Kamerun und in der Demokratischen Republik Kongo durchgeführt werden. Das Forschungsdesign und methodische Vorgehen werden in einem Workshop in den jeweiligen Projekten vorgestellt und die erarbeiteten Interviewleitfäden angepasst. Bei der Auswahl der Methodik ist darauf zu achten, dass sowohl qualitative als auch quantitative Methoden zur Datenerhebung und -auswertung zum Einsatz kommen. Die Ergebnisse der einzelnen Feldstudien sollen vor Ort in Workshops mit den Partnerorganisationen validiert und reflektiert werden.

Teil 3. (Synthesephase):
In der Synthesephase sollen die beiden Studienteile 1) und 2) abschließend zusammengeführt werden und die Ergebnisse aus Desk- und Feldphase übergreifend ausgewertet werden. Dazu werden die zentralen Ergebnisse zusammengefasst und übergreifende Schlussfolgerungen und Empfehlungen entwickelt und in einem Synthesebericht dargestellt. Dieser wird zwischen MISEREOR und dem Gutachterteam diskutiert.


3. Untersuchungsgegenstand und Zielgruppen

Der Untersuchungsgegenstand der Studie sind zwei ausgewählte Partnerprojekte MISEREORs in Kamerun und der Demokratische Republik Kongo, die u.a. Interventionen zur Förderung kleinbäuerlicher Marktorientierung umfassen.

Direkte Zielgruppe sind demgemäß die in die Studie einbezogenen Organisationen und Projektpartner, die zukünftig zu diesen Fragestellungen beraten werden sollen.

Indirekte Zielgruppe sind kleinbäuerliche Familienbetriebe, die in Partnerprojekten zukünftig zu den in der Studie berücksichtigten Fragestellungen beraten werden sollen.


4. Zentrale Fragestellungen

Die Gesamtstudie soll folgende wissenschaftlichen Fragestellungen behandeln:

Teil 1: Desk Research

Im Rahmen von Desk-Studien werden folgende Fragestellungen beantwortet:

  • Welche Erkenntnisse gibt es zu den in Teil 2 formulierten Fragestellungen außerhalb der ausgewählten Projekte, jedoch im afrikanischen kleinbäuerlichen Kontext (eigenständige Literaturrecherche).

Teil 2: Feldphase

  • Welche Vermarktungsstrategien verfolgen kleinbäuerliche Haushalte in den ausgewählten Projekten vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Lebenshaltungssysteme („livelihood systems“)?
  • Wie erfolgreich sind diese Strategien, um Einkommenseffekte zu erzielen und gleichzeitig die Lebenshaltungssysteme aufzuwerten („upgrading“)?
  • Welche Erkenntnisse lassen sich aus der Betrachtung/Analyse mit Relevanz für die Armutswirkung einer Marktorientierung gerade für die marginalisierten Bevölkerungsgruppen ableiten (Stichwörter: inclusiveness of smallholder value chains; pro-poor orientation of value chains; value chain development from a livelihood perspective)?

Teil 3: Analyse/Synthesephase

  • Welche Potentiale und Grenzen kleinbäuerlicher Marktorientierung lassen sich aus dem in Teil 1 und Teil 2 erarbeiteten Vergleich vor dem Hintergrund einer ganzheitlichen Betrachtung der Lebenshaltungssysteme (livelihood systems) und unter besonderer Beachtung einer armutsmindernden Wirkung auf marginalisierte Bevölkerungsgruppen ableiten?
  • Welche Empfehlungen zur kleinbäuerlichen Marktorientierung lassen sich aus dem in Teil 1 und Teil 2 erarbeiteten Vergleich und den in der Gesamtanalyse gewonnenen Erkenntnissen für zukünftige Projekte und die Arbeit von MISEREOR/KZE ableiten?


5. Erwartete Ergebnisse

Im Verlauf der Studie soll ein Bericht pro Phase  erstellt werden.

a. Bericht zu den Ergebnissen des 1. Teils (Deskphase)

Der Bericht am Ende der Deskphase soll ca. 30 Seiten (ohne Anhang) umfassen. Der Bericht soll folgende Elemente enthalten:

  • Eine Zusammenfassung („Executive Summary“) auf ca. 2 bis 3 Seiten;
  • eine knappe Darstellung des Auftrags und der Vorgehensweise;
  • eine entsprechend den Fragestellungen der Studie gegliederte Darstellung der Ergebnisse (mit Verweisen auf die Quellen);
  • ein Forschungsdesign für das weitere Vorgehen;
  • einen detaillierten Arbeitsplan inkl. Leitfadeninterviews für die Feldphase;
  • sich daraus ergebende erste Schlussfolgerungen, Informationslücken und Hypothesen, die in der zweiten Phase weiter überprüft werden sollten;
  • Literaturverzeichnis.


b. Bericht zu den Ergebnisse des 2. Teils (Feldphase)

Während der Feldphase soll zu jedem untersuchten Land ein einzelner Bericht in Französisch erstellt werden. Die Einzelberichte sollen maximal 50 Seiten umfassen (ohne Anhang). Die Berichte sollen enthalten:

  • Eine Zusammenfassung des Berichts („Executive Summary“) auf ca. 4 bis 5 Seiten (in Deutsch und der Verkehrssprache des jeweiligen Landes);
  • eine knappe Darstellung des Auftrags und der Vorgehensweise;
  • eine in Kapitel gegliederte Bearbeitung zu den Fragestellungen dieses Einsatzes.

Grundlagen für Aussagen und Schlussfolgerungen sind im Bericht durchgehend deutlich zu machen (z.B. durch Verweise auf die Quellen).


c. Synthesebericht, der die Ergebnisse aus Teil 1 und Teil 2 der Studie zusammenfasst

Der Synthesebericht, der im Anschluss an die Feldphase erstellt wird, enthält eine Gesamtanalyse, Schlussfolgerungen und Empfehlungen. Seine Länge soll maximal 50 Seiten ohne Anhang umfassen. Er ist in deutscher Sprache abzufassen. Der Bericht soll enthalten:

  • Eine Zusammenfassung des Berichts („Executive Summary“) auf ca. 5 bis 7 Seiten;
  • eine knappe Darstellung des Auftrags und der angewandten Vorgehensweise;.
  • eine in Kapitel gegliederte Bearbeitung zu den Fragestellungen dieses Einsatzes;
  • Schlussfolgerungen und akteursorientierte Empfehlungen.

Grundlagen für Aussagen und Schlussfolgerungen sind im Bericht durchgehend deutlich zu machen (z.B. durch Verweise auf die Quellen).


Alle Berichte sollen die folgenden formalen Aspekte aufweisen:

  • Deckblatt
  • Nummeriertes Inhaltsverzeichnis und Seitenzahlen
  • Abkürzungsverzeichnis
  • Anlagen, u. a.:
           Referenzrahmen
           Chronologischer Verlauf des Einsatzes
           Liste der Gesprächspartner
           Literaturverzeichnis und Liste der zugrunde gelegten Dokumente
           erläuternde Hintergrunddokumente (z.B. Tabellen, Texte, benutzte Instrumente).


6. Prozessablauf

Die folgende Vorgehensweise sowie Vorschläge sollen einen Rahmen setzen, in dem die Gutachter(innen) die Methodik präzisieren und weiterentwickeln:

  • Erarbeitung eines technischen Angebots;
  • für jeden Studienteil Vor- und Nachgespräche mit Vertreter(inne)n des Auftraggebers in Aachen;
  • für jeden Studienteil die Erstellung eine Berichts (Details jeweils unter dem Abschnitt: „Bericht“);
  • Desk-Studium des aktuellen wissenschaftlichen Diskurses und Dokumentenstudium mit den Projektakten der ausgewählten Partnerprojekte unter besonderer Berücksichtigung der genannten Fragestellungen für Teil 1;
  • Erarbeitung eines Forschungsdesigns, detaillierten Arbeitsplans und der Interviewleitfäden für den empirischen Teil (Teil 2);
  • für den empirischen Teil (Teil 2) wird in zwei Ländern (Kamerun, DR Kongo) je ein Partnerprojekt besucht – unter Berücksichtigung der genannten Fragestellungen für
    Teil 2;
  • Auswertung und Entwicklung von Schlussfolgerungen und Empfehlungen, basierend auf den Fragestellungen für Teil 3;
  • Erstellung eines Syntheseberichts und Vorstellung des Syntheseberichts auf einem Abschlussworkshop in Aachen;
  • Abnahme des Berichts durch Misereor.


7. Gutachterprofil

Wegen der Komplexität des Vorhabens wird eine erfahrene Gutachterin/ein erfahrener Gutachter mit folgendem Profil gesucht:

  • PhD/Dr. im Bereich der ländlichen Entwicklung/Agrarsoziologie;
  • Berufserfahrung bei der Durchführung komplexer Studien im Kontext von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit;
  • Umfangreiche Erfahrung mit der Analyse kleinbäuerlicher Lebenshaltungssysteme (livelihood systems), Armutsorientierung in Projektansätzen und Ernährungssicherung;
  • Umfangreiche Erfahrungen mit kleinbäuerlichen Vermarktungsansätzen in Sub-Sahara-Afrika;
  • Kenntnisse in empirischer Feldforschung und partizipativen Methoden. Verständnis der komplexen Prozesse kleinbäuerlicher Gesellschaftssysteme in Afrika;
  • nachweislich praxisorientiertes wissenschaftliches Arbeiten, umfangreiche Methodenkompetenz (quantitativ und qualitativ) und das Verfassen von Studien in verständlicher Sprache und Darstellung;
  • sehr gute und verhandlungssichere Deutsch- und Französischkenntnisse; Englischkenntnisse (mindestens Lesefähigkeit für wissenschaftliche Literatur).


Unterstützung in den Projekten vor Ort wird währen des 2. Studienteils durch MISEREOR und seine Partner zur Verfügung gestellt. Dies umfasst z.B. Transport, Übersetzung und wissenschaftliche Assistentinnen/Assistenten, die bei den Befragungen und anderen empirischen Erhebungen behilflich sind.


8. Angebot

Ein Angebot soll bei MISEREOR [Abteilung Qualitätssicherung Internationale Zusammenarbeit/Team Evaluierung und Beratung (evaluation@misereor.de) bis spätestens 10.04.2020 vorliegen. Ein Angebot für jeden der drei Studienteile (Desk-, Feld- und Synthesephase) wird erwartet. Ein vollständiges Angebot besteht aus:

  • Einem aussagekräftigen Lebenslauf mit Referenzen;
  • einem inhaltlichen Angebot, das den Arbeitsplan präzisiert und schlüssig darlegt, mit welchen Methoden die Ziele der Studie erreicht und die Fragestellungen bearbeitet werden sollen (maximal fünf Seiten);
  • einem finanziellen Angebot unter Angabe des Honorars sowie voraussichtlicher Reise- und Nebenkosten. Das finanzielle Angebot sowie die Arbeitsplanung sollen jedem der drei Studienteile zugeordnet werden. Alle Kosten müssen im Angebot inklusive Umsatzsteuer angegeben sein.


Für eventuelle Rückfragen steht Ihnen Herr Saïdou Ouédraogo telefonisch unter 0241/442-371 zur Verfügung oder Sie wenden sich an evaluation@misereor.de.

9. Vorgesehener Umsetzungszeitraum

Der Zeitraum für die Gesamtstudie ist von März 2020 bis Dezember 2021 vorgesehen. Die Teile 1 und 2 (Desk Research und die empirische Studie) sollen bis Ende 2020 abgeschlossen sein. Der dritte Teil soll im Jahr 2021 umgesetzt werden.

Aachen, den 20.02.2020